Mildred, Äbtissin von Minster-in-Thanet

Gedächtnis: 13. Juli
Die heilige Mildred war eine der frühesten und ehrwürdigsten heiligen Frauen Englands. Sie wurde im 7. Jahrhundert als Tochter der hl. Ermenburga (Domne Eafe) geboren, einer angelsächsischen Prinzessin aus dem Königshaus von Mercia. Ihre Mutter war eine gotterleuchtete Frau, die das monastische Leben liebte und später das Kloster Minster-in-Thanet auf der Isle of Thanet im Osten Kents gründete. Mildred entstammte einer ganzen Linie heiliger Frauen: Neben ihrer Mutter werden auch ihre Tanten Ethelburga und Eormenburg als Heilige verehrt.
In ihrer Jugend wurde Mildred zur weiteren religiösen Bildung ins Frankenreich gesandt, ins berühmte Kloster Chelles bei Paris. Dort bewies sie bereits früh Festigkeit im Glauben und Reinheit des Herzens. Ein fränkischer Adliger versuchte, sie gegen ihren Willen zur Ehe zu zwingen – eine damals nicht unübliche Praxis bei adligen Novizinnen. Doch Mildred widersetzte sich heldenhaft dem Willen der Menschen und hielt am höheren Ruf Christi fest. Sie erlitt Misshandlungen und wurde eine Zeit lang gegen ihren Willen festgehalten, konnte aber schließlich unter abenteuerlichen Umständen nach England zurückkehren. Ihr Mut und ihre Standhaftigkeit in dieser Prüfung sind in der „Kentish Royal Legend“ und in späteren Viten überliefert.
Nach dem Tod ihrer Mutter wurde Mildred zur Äbtissin des Klosters Minster-in-Thanet gewählt. Dieses Doppelkloster für Mönche und Nonnen entwickelte sich unter ihrer Leitung zu einem Leuchtturm des geistlichen Lebens im frühchristlichen England. Mildred führte ihre Schwestern im Geist des Evangeliums: mit Demut, Askese, Gebet und tätiger Nächstenliebe. Sie lebte selbst in größter Einfachheit, trug gewöhnliche Kleidung und war stets bereit, die niedrigsten Dienste zu verrichten.
Zahlreiche Wunder wurden auf ihre Fürbitte gewirkt: Kranke wurden geheilt, Dürre wurde durch ihr Gebet beendet, und viele Verirrte fanden geistliche Orientierung durch ihre Worte. Besonders bemerkenswert ist die innige geistliche Verbindung zwischen ihr und dem gläubigen Volk von Kent, das sie bereits zu Lebzeiten als lebendige Heilige betrachtete.
Nach ihrem seligen Heimgang um das Jahr 700 wurde ihr Leib unversehrt aufgefunden – ein Zeichen der göttlichen Gnade. Ihre Reliquien wurden zunächst in Minster-in-Thanet verehrt. Im 11. Jahrhundert wurden sie auf Wunsch der Benediktinermönche in die große Abtei von St. Augustine in Canterbury überführt. Dort wurden sie in einer eigens errichteten Kapelle bestattet und von zahlreichen Pilgern besucht.
Leider wurden ihre Reliquien während der Reformation vermutlich zerstört oder gingen verloren, als das Kloster aufgelöst wurde. Ihre Erinnerung blieb jedoch lebendig, besonders in Kent und unter den orthodoxen Gläubigen in Großbritannien. Heute trägt die antiochenisch orthodoxe Gemeinde in London ihr Patrozinium, und auch in anderen Teilen der westlichen orthodoxen Diaspora wird sie als gottragende Mutter, Lehrerin des monastischen Lebens und Schutzheilige Englands verehrt.
Quellen:
- Orthodox Church in America (OCA) - „Venerable Mildred of Minster-in-Thanet“ (englisch)
- Orthodox England – Fr. Andrew Phillips - „The Light of Thanet – St Mildred“ (englisch)
- ROCOR – Orthodox Europe (Diocese of Great Britain) - „St Mildred of Minster“ (englisch)
- St. Mildred’s Antiochian Orthodox Church, London - „Our Patron Saint“ (englisch)
Gebete
Troparion (5. Ton)
Du hast viele Seelen für Christus gewonnen, o heilige Äbtissin Mildred, durch dein heiliges Leben und deine große Demut sowie durch dein liebevolles Erbarmen mit allen, die zu dir kamen. Darum rufen wir dir voll Glauben zu: Freue dich, ehrwürdige Mutter Mildred von Thanet, Leuchte der Mönche und Fürbitterin für unser Land!
Troparion (4. Ton)
Durch dein ständiges Gebet, häufiges Fasten, unaufhörliche Hymnen und große Demut o glorreiche Mildred hast du die Verlockungen deines königlichen Ranges verlassen und tratest allen weltlichen Stolz und alle Anmaßungen mit Füßen. Deshalb lasst uns deine Tugenden nachahmen, damit wir frei von allen irdischen Bindungen mit dir am Hochzeitsfest Christi, unseres Erlösers, teilnehmen können.